Kultur

Die Kultur des Abschiednehmens.
„Ein Volk wird daran gemessen, wie es seine Toten bestattet”, wird schon der Athener Staatsmann Perikles aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. zitiert. Bestattungen sind so alt wie die Menschheit selbst – entsprechend groß ihre Bedeutung und vielfältig ihre kulturellen Ausprägungen.

Neuanfänge brauchen Erinnerung.

Im Kreislauf des Lebens spielt der Tod eine fixe und immer wiederkehrende Rolle. Auch wenn der heutige westliche Lebensstil dazu neigt, diesem natürlichen Lebensthema aus dem Weg zu gehen – der würdige Abschied von einem geliebten Menschen ist ein absolut unverzichtbarer Schritt, nicht nur kulturell sondern auch für die Hinterbliebenen.

Brauchtümer, Rituale und Zermonien ermöglichen eine nochmalige Auseinandersetzung mit dem verstorbenen Menschen, kanalisieren die Trauer und erleichtern den Neuanfang, der jedem schmerzhaften Abschied innewohnt. Der Sarg ist ein wichtiger Teil dieses Prozesses.

Särge und ihre Geschichte.

Schon seit über 9000 Jahren ist die Verwendung von Behältnissen für Verstorbene bekannt. Das Wort Sarkophag, von dem sich der heutige Sarg ableitet, kommt aus dem Griechischen. Schon damals waren Art und Ausstattung des Sargs Ausdruck von Persönlichkeit und sozialem Status – mit den Pyramiden Ägyptens als Extrembeispiel. Am anderen Ende der Skala standen Särge, die als reines Transportmittel der Armen zu ihrer letzten Ruhestätte fungierte.

Der Sarg ist eines der wichtigsten Elemente einer liebevollen Verabschiedung. Immer wichtiger wird es dabei, die Einzigartigkeit der verstorbenen Person mit Stil in die Feier zu integrieren. Dem Sarg fällt hier eine zentrale Rolle zu, individuelle Särge werden immer häufiger nachgefragt.

Pyramiden

Der Sarg im Wandel der Zeit

Als Sarg wird jenes truhen- oder kastenförmige, manchmal auch trogartige längliche Behältnis bezeichnet, das zur Aufnahme eines Leichnams dient. Das der Kirchensprache entnommene Wort leitet sich aus der lateinischen Kurzform „sarc“ für „sarcophagus“ (aus dem griechischen Wort für „Fleischfresser“ – sarko phágos) ab und fand allmählich an Stelle von Totenlade, Totenschrein oder Totentruhe – um nur einige Bezeichnungen zu nennen – Eingang in die Umgangssprache.

Ursprünglich wurde mit „sarkophagos lithos“ ein bei Assos, einer Stadt an der Südküste der Troas (gebirgige Landschaft im Nordwesten von Kleinasien) gebrochener, zur Herstellung von Särgen verwendeter Kalkstein bezeichnet, dem die Eigenschaft zugeschrieben wurde, die Verwesung eines Leichnams innerhalb kurzer Zeit herbeizuführen. Da dieses Gestein jedoch auch zum Auslegen von Särgen – um das Verwesen der Leichen zu beschleunigen – diente, wurden allmählich alle Steinsärge als Sarkophage bezeichnet. Schließlich wurde diese Bezeichnung auch auf Särge aus anderem Material übertragen und unter einem Sarkophag ein meist prunkvoller, überwiegend aus beständigerem Material hergestellter, für hervorragende oder reiche Personen bestimmter oder oft sichtbar aufgestellter Sarg verstanden.

Wenn man vom Aussetzen der Leichen, der wahrscheinlich ältesten Bestattungsform, absieht, ist das Versenken des Körpers in die Erde vom Urbeginn an die übliche Form der Totenbestattung. Um dabei den Leichnam vor der Erdberührung zu schützen, wurde er in Tierhäute, in Matten oder Leinenbinden u. a. m. eingeschlagen oder in einen Sarg gebettet, der aus Flechtwerk, Holz, Ton oder Stein – in späterer Zeit auch aus Metall – gefertigt sein konnte.
Aber auch Gefäße aus Ton (Pithoi), kleinere für Kinder und entsprechend große für Erwachsene, dienten als Behältnisse zum Schutz des Toten. Als Grabanlagen dienten Einzel- oder Gemeinschaftsgräber, die, ausgehend von den ältesten Grabformen, der Höhle oder der Erdgrube, als Hügel-, Kammer-, Kuppel- oder Steinkistengräber angelegt waren. Das Steinkistengrab, ein mit Steinplatten ausgekleidetes und mit einer Steinplattendecke abgeschlossenes Einzelgrab, stellt nicht nur eine Architektonisierung der frühzeitlichen Erdgrube dar, sondern wird auch als Vorform des Sarges (Sarkophages) angesehen.

Der Brauch, Verstorbene in ausgehöhlten Baumstämmen beizusetzen, ist in Nord- und Mitteleuropa bereits in der Jungsteinzeit nachweisbar. Vermutlich war es anfangs der durch Alterung hohl gewordene Baum, später, unter Einsatz geeigneter Werkzeuge, der der Länge nach gespaltene und ausgehöhlte, zwei bis drei Meter lange Eichenstamm. Der Tote wurde in das mit einem Tierfell – meist einer Kuhhaut – ausgekleidete Unterteil gelegt und mit seinem Mantel oder mit Decken verhüllt, anschließend wurde das Oberteil darübergelegt. Ob die noch im 19. Jahrhundert gebräuchliche mundartliche Bezeichnung des Holzsarges als
„Totenbaum“ auf den Baumsarg zurückzuführen ist oder erst zu einem späteren Zeitpunkt entstand, bedarf noch eingehender Untersuchungen.

In holzarmen Gegenden war man gezwungen, entweder Särge aus anderen Materialien herzustellen oder Holz einzuführen. So wurden aus den Zedern des Libanons nicht nur Tore für die ägyptischen Tempel, sondern auch die Sarkophage der Vornehmen gefertigt, während aus dem – einheimischen – Holz der Sykomore die gewöhnlichen Särge erzeugt wurden.

Allgemein verwendet wurden Holzsärge jedoch erst ab dem Jahre 2100 vor Christus. Sarkophage aus Stein, truhenförmig oder in Form eines Hauses – in der Spätzeit auch dem Umriss des menschlichen Körpers nachgebildet -, deren Wände entweder glatt oder mit Texten oder Reliefbildern geschmückt waren, dienten jedoch bereits ab dem Alten Reich zur Bestattung hochgestellter Persönlichkeiten.
Daneben gab es primitive Holzsärge sowie Pappsärge, die aus zusammengeleimten alten Papyri hergestellt wurden, wenn nicht die Beerdigung überhaupt ohne Sarg erfolgte, weil die Mittel selbst für diese Särge fehlten.
Auch in Mesopotamien waren Sarkophage seit der Mitte des 3. Jahrtausends vor Christus bekannt, aber nicht allgemein in Gebrauch. Neben Basalt wurde als Material hierfür vielfach auch Ton verwendet. In der kretisch- mykenischen Zeit traten im 14. Jahrhundert vor Christus Tonsarkophage in Truhenform auf, während im griechischen Mutterland vor dem
2. Jahrhundert nach Christus, wenn die Toten nicht eingeäschert wurden, Särge aus Stein kaum verwendet wurden. In Kleinasien hingegen wurden neben figürlich bemalten Tonsarkophagen, entstanden zwischen 540 und 470 vor Christus, auch Marmorsarkophage aus dem 5. und dem 4. Jahrhundert vor Christus gefunden.

Sarkophage in Kasten- oder Klinenform (Kline – Liege mit aufgebogenem Kopfende) aus Ton oder Stein, auch aus Alabaster – teilweise sogar bemalt – waren, vor allem seit der Mitte des 3. Jahrhunderts vor Christus, in Etrurien im Gebrauch, während im Römischen Reich Sarkophage erst mit dem Zurücktreten der Brandbestattung gegen Ende des 2. nachchristlichen Jahrhunderts erneut in Verwendung kamen. Der aus den etruskischen und spätgriechischen Vorbildern entwickelte, teils verzierte oder mit Reliefen geschmückte römische Sarkophag war überwiegend aus Marmor, lediglich die Kaiser hatten das Vorrecht, in Porphyrsarkophagen bestattet zu werden. Nach der Mitte des 3. Jahrhunderts setzte die christliche Sarkophagplastik ein. Die Figuren-, Fries- und Passionssarkophage – deren wichtigste Werkstätten sich in Rom, Kleinasien, Südfrankreich (Arles) und Spanien befanden -, zeigten Darstellungen biblischer Gestalten, Szenen aus dem Leben Jesu und der Passion Christi, während in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts mit der Verbreitung des Stadttorsarkophages in Italien an die Stelle dieser Darstellungen Repräsentationsszenen traten. Im 5. Jahrhundert erlebte die christliche Sarkophagplastik eine Nachblüte, die vereinzelt bis ins beginnende Mittelalter reichte, im Allgemeinen waren jedoch die Sarkophage des frühen Mittelalters zumeist schmucklose Steinsärge. Daneben war aber auch die Wiederverwendung antiker Sarkophage für die Bestattung höhergestellter Verstorbener bis in das späte Mittelalter gebräuchlich.

Das Mittelalter bewahrte die Grundform des antiken Sarkophages in Gestalt der „Tumba“, in der kein Toter mehr ruhte. Die Tumba wurde damit nicht nur zu einem Grabmal, das über dem im Kirchenboden bestatteten Verstorbenen errichtet wurde, sondern auch zu einer Art des Hochgrabes, das in der Folge den Fürsten und dem hohen Adel vorbehalten war. In der Renaissance und im Barock wurde dieser sinnbildlich die Bestattung andeutende Sarkophag häufig zum Mittelpunkt eines prunkvollen Grabmales.

Der Brauch der Brandbestattung, der bereits in der Jungsteinzeit nachzuweisen ist und zeitweise sogar die vorherrschende Bestattungsart war, wurde mehr und mehr ein Vorrecht der Reichen, da für die Errichtung des Scheiterhaufens große Mengen Brennmaterial erforderlich waren. In holzarmen Gegenden war sie außerdem nur eine den vornehmen und hochgestellten Persönlichkeiten vorbehaltene Bestattungsart.

Um die Mitte des 3. Jahrhunderts nach Christus wurde sie daher immer mehr durch die Körperbestattung, die als eine christliche Pflicht aufgefasst wurde, abgelöst, bis Karl der Große für sein Reich schließlich im Jahre 785 (Edikt von Paderborn) die Leichenverbrennung überhaupt verbot. Dennoch wurden bis ins späte Mittelalter im Allgemeinen nur die Leichen reicher oder hochgestellter Personen in Särgen aus Stein oder Holz beigesetzt.
Alle übrigen wickelte man, wie wir es auch von der Bestattung des Lazarus kennen, in Leinenbinden, hüllte sie in Matten oder in geteerte Säcke (sogenannte Gerber) oder nähte sie in Leinentücher ein. Der Leichnam – aber auch der Holzsarg – wurde zum Ort der Grablegung bzw. zur Stätte des Sarkophages auf einer Bahre getragen, die in ihrem Aussehen entweder einem mit Tragstangen versehenen Sargunterteil oder einer der heute üblichen Tragbahren ähnlich war. Aufbahren bedeutet also ursprünglich „auf eine Totenbahre legen“.

Aber nicht nur die soziale Stellung des Verstorbenen allein war dafür maßgebend, ob die Bestattung mit oder ohne Sarg erfolgte. Für die häufig inmitten des Dorfes befindlichen kleinen Kirchhöfe war es – wie auch für die Friedhöfe der Städte – von großer Bedeutung, dass die vorhandenen Gräber möglichst bald wieder belegt werden konnten. Bei einer Beerdigung ohne Sarg wurde eine Verzögerung des Verwesungsprozesses vermieden und damit war – die entsprechende Bodenbeschaffenheit vorausgesetzt – die neuerliche Belegung nach einem kürzeren Zeitraum gewährleistet.
In verschiedenen Städten – so zum Beispiel im Jahre 1632 in Nürnberg – wurde daher das Privileg, in einem Sarg beerdigt zu werden, mit einer Abgabe belegt, da man „wegen des unnützen Bretterverbrauches“ die Beerdigung in einem Sarg als Luxus und als eine Ursache für den Platzmangel auf den Friedhöfen betrachtete, zu dem es durch die zunehmende Verwendung von Holzsärgen etwa ab dem 16. Jahrhundert kam.
Als das ursprünglich nur den christlichen Märtyrern bzw. dem Klerus zugestandene Recht, in Kirchen- und Klostergrüften beigesetzt zu werden, auch den Adeligen und der wohlhabenden Bürgerschaft, die von dieser Erlaubnis reichlich Gebrauch machten, eingeräumt wurde, kam es auch hier allmählich zu einem Platzmangel, der in manchen Fällen zu einem Ausbau von unter der Kirche gelegenen Grüften führte. Die Beisetzung in einem Sarg, meist einem Steinsarg, dürfte dabei üblich, jedoch nicht die Regel gewesen sein. Hinweise, wie oder ob der Verstorbene eingesargt wurde, sind in den älteren kirchlichen Aufzeichnungen nicht zu finden.
Wie eine im Jahre 1979 durchgeführte Untersuchung der Grablege im Stift Klosterneuburg, einem einfachen dreikammerigen Steinkistengrab, zeigte, war die im Jahre 1143 verstorbene Ehefrau des Markgrafen Leopold, Agnes, Tochter Kaiser Heinrichs IV., nur in ein einfaches Wolltuch gehüllt, ohne Sarg bestattet worden.

Da auch die Kirchengrüfte, analog zu den Gräbern auf Friedhöfen, meist etwas über den Boden erhöht waren, wurde bereits im 9. Jahrhundert anlässlich zweier karolingischer Synoden die Beseitigung dieser Erhöhungen gefordert und schließlich im Jahre 1566 von Papst Pius V. verfügt, dass alle über den Fußboden ragenden Särge versenkt werden müssen. Die Beisetzung in Kirchen war jedoch nach wie vor gestattet und erst unter Kaiser Josef II. wurde dieser Brauch eingeschränkt und allmählich abgeschafft.

Wenn auch im 9. Jahrhundert bereits allgemein bekannt, begann sich der Holzsarg erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts immer mehr durchzusetzen, blieb aber für die ärmeren Schichten noch immer unerschwinglich. In einigen Gegenden wurden daher die Verstorbenen auf sogenannten Totenbrettern zu Grabe getragen, aber auch die Verwendung eines Gemeindesarges, der ausschließlich für den Transport des Toten zum Friedhof diente und daher wieder verwendet werden konnte, war zu dieser Zeit üblich.

Während man aber in Nord- und in Mitteldeutschland bereits im 16. Jahrhundert bestrebt war, auch den ärmsten Gemeindemitgliedern einen Sarg aus Mitteln der Pfarrkassen beizustellen, war in Süddeutschland und auch in Österreich in manchen Gebieten noch im 19. Jahrhundert die Bestattung ohne Sarg üblich. Dass jedoch – vor allem zur Zeit Kaiser Josefs II. – der Sarg schon Bestandteil des Totenkultes war, zeigt der Widerstand gegen die mit Hofdekret vom 23. August und 13. September 1784 verfügte Begräbnisordnung, mit der unter anderem auch – teils um die Verwesung „so bald als möglich zu befördern“, aber auch um Holz zu sparen – verfügt wurde, dass die „Leichen nicht mit der Truhen unter die Erde gebracht werden“ durften. Bereits im Jänner 1785 musste diese Bestimmung aufgehoben und der Gebrauch von Särgen wieder gestattet werden.

Das Aufkommen neuzeitlicher hygienischer Auffassungen über das Bestattungswesen sowie die Festsetzung entsprechender Fristen zur Verhinderung der Beerdigung Scheintoter waren jene Gründe, die ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zur Errichtung von Totenkammern und – in weiterer Folge – von Leichenhallen führten. Die sanitäre Funktion, die nunmehr der Sarg entweder beim VerbIeib des Toten im Sterbehaus oder bei der Abstellung in einer Leichenkammer bis zur Beerdigung zu erfüllen hatte, dürfte wesentlich dazu beigetragen haben, dass zumindest in den Städten Ende des 18. Jahrhunderts kaum mehr ohne Sarg bestattet wurde.

Als schließlich Anfang des 19. Jahrhunderts die Anlage neuer – meist außerhalb oder am Rande von Ortschaften gelegene – Friedhöfe in Angriff genommen, sowie teils auch bestehende erweitert wurden und als Folge davon familiengebundene Ortschaften nicht mehr auf den Adel oder die wohlhabenden Bevölkerungsschichten beschränkt waren, wurde die Sargbestattung allgemein üblich.

Obwohl bei Erdbestattungen – im Gegensatz zu den Beisetzungen in Krypten oder Grabkapellen
– der Sarg endgültig den Blicken entzogen wurde, erfuhren auch Form und Ausstattung des Holzsarges, meist verbunden mit einer Änderung in den Bestattungsbräuchen, einen Wandel. Aber auch sanitäre Vorschriften, die die Beschaffenheit der Särge regeln sollten, wirkten sich – wie die gegebenenfalls in Friedhofsordnungen festgelegten Ausmaße und Bedingungen – auf die verwendeten Materialien sowie auf die Sarggestaltung aus.

Die ersten sechsseitigen Särge waren meist flache, roh gezimmerte Kisten ohne Griffe und ohne Verzierungen. Über den Sarg wurde das reich mit Gold- oder Silberfäden bestickte, oft auch mit dem Zunftzeichen ausgeschmückte Bahrtuch gebreitet. Im 17. und 18. Jahrhundert gab man den Särgen barocke Formen und stattete sie auch mit verschiedenen Symbolen zu denen etwa der Palmzweig zählte, aus. Obwohl man im Laufe des 19. Jahrhunderts von den überladenen barocken Formen wieder abkam – die Särge wurden schlichter -, beeinflusst diese Stilrichtung vielfach auch heute noch die Formgebung der Särge. Auch die Bronze- und Zinnverzierungen wurden durch solche aus geprägter Pappe verdrängt, ebenso fielen die vom Schneidergewerbe hergestellten Sargbezüge und Sargfransen dem geänderten Geschmack zum Opfer. An ihre Stelle trat mit Beginn des 20. Jahrhunderts die geprägte Sargtapete, die – überwiegend in Süddeutschland und in Österreich – bei Särgen aus Weichholz – als Schmuck der Außenfläche verwendet wurde.

In Zusammenhang mit der Änderung der Sargformen wurden auch Sarggriffe und Sargfüße umgestaltet. An Stelle der versilberten oder vergoldeten Metallgriffe, der Hanfstricke mit Posamenten und Quasten als Handhaben traten die bronzierten oder in antiken Farben galvanisierten Griffe, die heute vielfach durch Griffe aus Kunststoff ersetzt werden.
Auch bei den Sargfüßen traten an Stelle der Engels-, Löwen- oder Adlerköpfe eckige oder kugelförmige, der Sargform angepasste Füße.

Während im 17. Jahrhundert – teilweise auch noch später – die Farbe der Särge teils vom Familienstand und teils vom Alter des Toten abhängig war (die Särge für Erwachsene oder Verheiratete waren braun oder schwarz, jene für Kinder oder Ledige weiß, hellblau, grün, gelb oder rot) richtet sich die derzeitige Farbgebung – soweit die Särge nicht naturbelassen sind – mehr nach individuellen oder an der Nachfrage orientierten Gesichtspunkten.

Metallsärge, im Mittelalter bzw. auch später noch vorwiegend von Kupferschmieden oder Zinngießern erzeugt, wurden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Teil bereits maschinell hergestellt. Särge aus Kupfer oder Zinn wurden – wenn man von den bereits früher bekannten und teilweise auch im Mittelalter noch gebräuchlichen Bleisärgen absieht – jedoch überwiegend bei Bestattungen in Grüften verwendet. Welche Pracht dabei entfaltet wurde, zeigen die wohl zu den bekanntesten Zinnsärgen zählenden Sarkophage in der Kaisergruft bei den Kapuzinern in Wien, die für die verstorbenen „Mitglieder des Erzhauses Österreich“ geschaffen wurden.
Derzeit werden Metallsärge aus Zink- oder Kupferblech vor allem dann verwendet, wenn die gesetzlichen Bestimmungen die Verwendung von Särgen aus anderem Material nicht oder nur unter bestimmten Voraussetzungen gestatten. Eine dieser Voraussetzungen, das luftdichte Verschließen eines Sarges, kann aber auch durch die Verwendung eines Metalleinsatzes erreicht werden.

Das für die Erzeugung von Särgen hauptsächlich verwendete Material ist jedoch nach wie vor Holz. Während aber die Särge im 16. Jahrhundert vorwiegend aus Tannenholz erzeugt und andere Holzarten eher selten verwendet wurden, nennt Johann Georg Krünitz in seiner ökonomisch- technologischen Enzyklopädie (Berlin 1824) bereits Eichen-, Buchen- und Tannenholz. In seinem Werk findet sich aber auch der Hinweis, dass eine Verordnung der preußischen Regierung vom 11. August 1795 den „Unterthanen“ zur Schonung der Eichenwälder nahe legt, Tannen- oder Buchensärge zu verwenden.
Neben Erläuterungen über Konstruktion, Aussehen und Materialbehandlung des Holzsarges wird in der Enzyklopädie auch der Fracht- oder Paradesarg beschrieben: „Ein Sarg welcher nicht nur mit vielen äußeren Verzierungen als Schnitzwerken, Sammet, goldenen und silbernen Troddeln oder Franzen geschmückt, sondern auch im inneren mit Sammet und Seide ausgeschlagen worden, und worin gewöhnlich Fürsten und andere Große und Reiche dem Volke nach ihrem Hintritte en parade ausgestellt werden; der Hingeschiedene wird in einen sogenannten Einfasssarg gelegt, und dieser dann in den Paradesarg gestellt“.
Im Gegensatz dazu wird in der sächsischen Kaiserzeit (919-1024) in der Translatio St. Uldarici die Form des damals gebräuchlichen Sarges als „aus vier Brettern zusammengefügt, wie man die Totensärge zu machen pflegt“, beschrieben. Im 20. Jahrhundert fanden in Europa neben heimischen Holzarten auch ausländische Edelhölzer in der Sargerzeugung Verwendung. Überwiegend wurde jedoch Eichen-, Buchen-, Lärchen-, Tannen- und Fichten- sowie Kiefernholz als Material herangezogen.

Holz und Naturstein werden als die ältesten Bau- und Werkstoffe der Menschen bezeichnet, sie dienten aber auch, seit Tote in Särgen bestattet werden, als Material für die Herstellung von Särgen. Selbst in den beiden Weltkriegen, als durch Materialknappheit bedingt zur Sargerzeugung die verschiedensten Materialien, wie Pappe, Gips, Sperrholz vorgeschlagen und teilweise auch verwendet wurden, blieb der Holzsarg ein unverzichtbarer Bestandteil des Totenkultes. Wenn auch der Naturstein durch Metall ersetzt wurde und in vielen Bereichen neue Werkstoffe Verwendung finden, sollte – solange dies möglich ist – dem Holz als Material zur Sargerzeugung der Vorzug gegeben werden.

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Auch Bestattungen gehen mit der Zeit.

Noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nahm der Abschied von Verstorbenen in Mitteleuropa einen großen Raum und entsprechend viel Zeit ein. Vom Rosenkranzgebet bis zur Aufbahrung im offenen Sarg zuhause bei den Angehörigen, bis hin zum Leichenschmaus ebenda.

Inzwischen wurden vor allem in westlichen Ländern viele dieser Rituale an Bestattungsunternehmen, Aufbahrungshallen und Restaurants „ausgelagert”. Die Zahl klassischer Erdbestattungen nimmt zugunsten von Feuerbestattungen ab. Außerdem gewinnen individuell gestaltete Zeremonien wie zB Waldbestattungen, aber auch die Nachhaltigkeit, darunter umweltfreundliche Särge, an Bedeutung.

Wald Lichtstimmung

Andere Länder, andere Bräuche.

So vielfältig die Ausprägung der menschlichen Kultur, so unterschiedlich der Umgang mit Tod und Bestattungen. Nicht überall zieht man sich zurück, um zu trauern.

So feiert man in Mexiko jeden 1. und 2. November die jährliche Rückkehr der Seelen der Verstorbenen mit dekorierten Schreinen, speziell gebackenem Brot und Festumzügen.

Der kleine Ort Sagada auf den Philippinen wurde berühmt, weil dort die Toten in ihren Särgen an eine Felswand gehängt oder in Höhlen gestapelt wurden. Die Seelen der Verstorbenen sollten anstatt begraben zu werden, einfachen Zutritt ins Jenseits haben.

In manchen Ländern Zentralasiens, vor allem in Tibet, werden aufgrund des äußerst harten Bodens und des Mangels an Brennholz häufig Himmelsbestattungen durchgeführt, wo Leichname angelockten Geiern überlassen werden. Nach traditionellem Glauben begleiten sie die Seele der Verstorbenen ins Zwischenreich vor der Wiedergeburt.

Aber auch im US-Bundesstaat Louisiana werden Tote – meist Musiker*innen – bei sogenannten „Jazz Funerals” ganz besonders verabschiedet. Begleitet von einer Blechbläser-Band, marschiert der Trauerzug vom Haus der Angehörigen zum Friedhof. Vor der Beisetzung wird Trauermusik gespielt, danach zu fröhlichem Jazz getanzt.

Foto: Sarg aus Ghana, ©Dieter Bajak

Sarg aus Ghana